erster april


manche menschen glauben, dass am freitag, sofern es der dreizehnte eines monats ist, komische dinge passieren. die haben ja keine ahnung, was das leben an einem ersten april alles für überraschungen parat halten kann!

gestern -also am 31.03.2004- war ich auf einem konzert und weil man auf einem rockkonzert sowas wie eine handtasche nicht brauchen kann, denkt man sich was besseres aus. man verteilt bargeld, feuerzeug und tabak auf die hosentaschen. klar. und wenn man sich dann noch überlegt, dass es nicht schlau ist die fahrzeugpapiere im fahrzeug zu lassen ... genau! man verstaut die papiere auch am mann. die brusttasche einer jeansjacke eignet sich hervorragend zur aufbewahrung von führerschein, personalausweis und fahrzeugschein. zuknöpfbar und unverlierbar. das konzert war übrigens neben interessant auch lang und so komme ich recht müde erst halb zwei nachts ins bett.
soweit zum einunddreißigsten märz. dann kam der erste april :o)

kurz nach dem aufstehen
"du mama, wie viele buchstaben hat das abc?"
*kurzüberleg* "sechsundzwanzig?"
*kicher* "nee. drei: a, b und c! april april!" *kicher*
*schmunzel* coole kids!

ich sitze im auto und starte den motor. die tankanzeige leuchtet. ach ja! die hat gestern schon geleuchtet. seitdem bin ich etwa 70 km gefahren... während ich richtung arbeit losfahre tippe ich in den rechner des handys folgende rechnung: 52 (liter die in den tank passen) geteilt durch 8,5 (liter, die ich pro hundert kilometer verbrauche), ergbenis: 6,11764. das entspricht 612 kilometern, die man mit einer tankfüllung schaffen kann. gutes ergebnis. ich bin sehr zufrieden damit. auf dem tacho stehen 571 tageskilometer und bis zum job sind es nur 12 km. das passt ja hervorragend - ich werde nach der arbeit tanken fahren.

mittagspause in der firma. ist euch schonmal aufgefallen, dass man auch in betriebsrestaurants geld braucht, um etwas zu essen zu bekommen? ja sicher - ich weiß das auch, wenn ich so drüber nachdenke. aber was ich vergessen hatte war der konzertabend. richtig geraten. ich trage nicht die hose von gestern (die stinkt doch nach rauch!) und daher hab ich auch das geld nicht dabei, was ich gestern in den hosentaschen verstaut habe. *seufz* für ein trockenes brötchen und einen kaffee reichts noch. geht ja auch mal. ist ja auch total lecker und alles.

ich komme gut bis 14:30 uhr durch. da bin ich mit gabi verabredet. in der cafeteria. zum kaffeetrinken. ja genau - kaffee kostet auch geld. ist aber nicht schlimm, denn ich hab noch einen teebeutel und heißwasser gibts an dem automaten umsonst. fällt gar nicht auf! soweit so gut. punkt drei komme ich in mein büro zurück. meine zimmerkollegin schaut mich vorwurfsvoll an "deine sara hat vier oder fünfmal angerufen. du sollst dich ganz schnell bei ihr melden!"
oh bockmist! ich hab sara vergessen! sie hatte sich darauf gefreut, mir um dreiviertel drei was zu erzählen und eine feierabendzigarette vor ihrem wichtigen date mit mir zu rauchen. oh nein! läuft nicht so gut heute, wa? ich ruf sie auf handy an. aber nun ist sie natürlich schon unterwegs und gelinde gesagt ein wenig sauer, dass ich so eine (wörtlich) "vergessliche trulla!" bin.

bis auf ein paar kleinigkeiten gehts dann aber doch mit großen schritten auf den feierabend zu. ich blamiere mich nur ein klitzekleines bisschen, als ich bei unserer agentur nachfrage, warum da neuerdings unten in unserem internetauftritt (das ist mein verantwortungsgebiet) waagerechte scrollbalken auftauchen. wir untersuchen alles mögliche.
"liegts am schriftgrad?
"nee. der ist egal - der text ist als grafik mit fester größe auf dem schirm"
"benutze ich den gleichen link wie sie?"
wir gleichen den link ab. alles okay.
"der auftritt ist optimmiert für eine bildschirmauflösung 1024x768?"
"jepp - die ist bei mir auch eingestellt."
"jetzt weiß ich auch nicht mehr weiter. schicken sie mir mal einen screenshot. nicht, dass ich was dran ändern könnte, aber ich seh's mir mal an."
ich schicke ihm einen screenshot. keine zwei minuten später bekomme ich eine mail auf den bildschrim:
"wenn sie (wie die meisten windows-user) ihre taskleiste unten am bildschirmrand statt links plazieren dürfte es gehen"
megapeinlich! ich muss trotzdem lachen. ich bin sehr froh, dass mir der kollege aus der agentur nicht böse zu sein scheint. vielleicht kann er jetzt eine gute geschichte erzählen :o)

feierabend! ich habs geschafft. ich werde jetzt ins auto steigen und heimfahren. ganz einfach! ich tappe zum parkplatz, setze mich ins auto und fahre los. nach genau hundert metern geht der motor aus. ist der motor noch kalt? bei dem wetter? na eher nicht. ich starte neu und da fällt es mir siedendheiß wieder ein. tanken!!! da war doch noch was, was ich seit gestern abend verschoben habe. oh je. bis zur tankstelle sind es 1200 meter. komisch ist nur, dass meine rechnung nicht zu stimmen scheint, denn auf dem tacho stehen jetzt 582 tageskilometer. auweia hoffentlich ist es wirklich nur der sprit! meine elise ist schon zwölf jahre alt und das großartigste auto unter der sonne - aber gegen ihr alter kann man nichts machen. da köönnte schonmal... ich werde aus meinen gedanken gerissen, als an der kreuzung wieder der motor abstirbt. "oh bitte bitte noch bis zur tankstelle, elise!"

"überlege dir genau, was du dir wünschst, denn es könnte in erfüllung gehen!"
wie wahr, wie wahr! ich komme genau bis zur tankstelle - aber nicht bis zur tanksäule. das macht einen unterschied von ungefähr 30 metern und einer leicht ansteigenden auffahrt. ich versuche die elise da hochzuschieben, aber das geht nicht - so stark bin ich denn nun doch nicht. ich versuche nochmal sie zu starten - aber da geht nichts mehr - so schräg wie ich jetzt in der auffahrt stehe, läuft der sprit der gravitation folgend einfach nach hinten in den tank statt nach vorne zur benzinpumpe. oh wie peinlich! ich schließe die elise ab und stelle mich in die schlange der leute, die bezahlen wollen. ob das öfter passiert? wie wird der tankwart reagieren?

"hallo" *räusper* "ich brauche da mal hilfe. ich bin mit dem auto an ihrer auffahrt liegengeblieben weil mein sprit alle ist."
"wo denn genau?"
"na so in etwa zwanzig meter hinter ihrem gebäude (die tankstelle hat drei auffahrten) und dreißig meter von der tanksäule entfernt."
"ja moment noch. ich helf ihnen gleich."
hinter mir stehen schon wieder fünf neue kunden. er hat alle hände voll zu tun und immer wenn ich denke, gleich kann er mir helfen kommt schon wieder ein neuer kunde rein. einen der kunden spricht er an. "hilfste mal der jungen frau das auto an die säule zu schieben? ich komm hier nicht weg. siehst ja! ... ich geb dir morgen dein bröötchen und deinen kaffee aus. okay?"
der angesprochene mann zeigt keine reaktion - jedenfalls nicht von hinten. als er bezahlt hat dreht er sich zu mir um und ich frage
"sie haben also gerade nichts anderes vor, als mit mir mein auto zu schieben?"
er grinst nur und kommt mit vor die tür. ich zeige ihm meine elise und bin schlau genug die zündung anzumachen, damit der bremskraftverstärker und die servolenkung laufen. mit vereinten kräften schieben wir die elise an die tanksäule nummer sieben. ich bedanke mich mit hochrotem kopf und wünsche ihm einen wundervollen tag und morgen einen guten kaffee nebst brötchen. er lächelt und sagt noch was nettes (in der aufregung hab ichs aber schon wieder vergessen)

ich tanke und es gehen genau 48,2 liter in den tank. komisch! stimmen die fahrzeug-bedienungsanleitungen bei solch wichtigen details nicht? mit den verbleibenden 3,8 liter hätte ich theoretisch noch ... ach was solls! jetzt wird ja alles gut. ich gehe rein zum bezahlen und zücke als ich dran bin meine ec-karte aus dem portemonnaie. der tankwart zieht die karte durch PIEP! "karte ungültig" oh nein, was denn nun? das hatte ich schon ein paarmal. scheinbar überlade ich alle meine ec-karten regelmäßig mit der energie aus meinen händen... jetzt fällt mir auch nichts schlaues mehr ein. der laden ist auch schon wieder voll. hinter mir drängen sich die kunden.

er versucht noch dreimal an der anderen kasse meine karte zu lesen, aber das klappt auch nicht. (war ja irgendwie klar) ich frage ihn, ob er eine einzugsermächtigung ausfüllen kann weil ich kein bargeld dabei habe (das befindet sich ja in der jeans, die ich heute nicht anhabe). er kramt einen zettel vor und beginnt auszufüllen. betrag, name, kontonummer... steht ja alles auf der rechnung bzw. meiner ec-karte. ob ich ihm noch schnell meinen ausweis zeigen könne, damit er meine adresse abschreiben kann...?

*schluck* sie erinnern sich an meinen konzertabend und die brusttasche der jeansjacke? ich mich auch.

eine sekunde des schweigens entsteht. meine grauen zellen arbeiten fieberhaft.

ich versuche es! was kann ich noch verlieren? mit blick auf die wartenden kunden und sanftester stimme frage ich: "geht diktieren nicht schneller?!"
das war eine suggestivfrage. (was ein glück, dass ich marketingtechnisch geschult bin) dem herrn im himmel sei dank! es klappt. er fragt nicht nach und schreibt auf, was ich ihm diktiere. danke, danke, danke! lobpreiset den herrn. ich hätte keine wirkliche idee gehabt, wie ich das lösen kann.

auf dem heimweg stelle ich fest, dass es nicht zwölf sondern fünfzehn kilometer täglicher arbeitsweg sind. das bringt steuerlich sicher vorteile. für die wie-weit-reicht-meine-tankfüllungs-berechnungen sollte ich mir das aber vielleicht auch merken. und was mich am abend dieses ersten april ernsthaft frage ist, was ich der polizei erzählt hätte, wenn sie eine ihrer üblichen kontrollen gemacht hätten. hatte ich schonmal erzählt, dass ich eine phase hatte in der mich die polizei auf grund von routinekontrollen schon namentlich kannte? nee? na das hol ich nach. versprochen :o)


PS: und was denken sie jetzt? sind dreizehnte freitage schlimm oder kann man sich nicht auch an anderen tagen göttlich amüsieren?! ;o)