eine seminarreise nach garmisch


die aufregung ist noch nicht zu ende oder teil drei

das mit der reise hätten wir also schonmal. aber die woche selber und die heimfahrt? das war auch interessant. oder sollte ich lieber "spannend" sagen? :o)

erster teil
zweiter teil
dritter teil

- montag - 19.04.2004 -
pünktlich zum frühstück klopft gabi an meine tür. ich habe sogar einigermaßen geschlafen. gestiefelt und gespornt laufen wir zum fahrstuhl. in der glastür trifft uns der schlag. einen zappelnden rollenkoffer hinter sich herschleifend kommt uns eine alte bekannte entgegen. wir kennen sie, so wie den betreuer des seminares und den referenten auch, aus bad tölz. allerdings gibt es zwischen ihnen einen unterschied: sie ist eher weniger ein sympathieträger. sie begrüßt uns überschwenglich mitten in der glastür und wir wollten doch eigentlich nur in ruhe frühstücken... das versteht sie nach großen worten und debatten und entlässt uns mit dem versprechen "wir sehen uns dann unten" och nee, wa? *seufz*

unten im restaurant setzen wir uns an den tisch vom gestrigen abend. als wir uns am buffet ein frühstück zusammensuchen, flüstert mir gabi zu: "der kellner war wohl sehr beschäftigt gestern abend." ich sehe sie fragend an und sie erklärt: "na mein saucenfleck ist immer noch auf der tischdecke..." nein!? ist ja unglaublich. aber der tisch hat einen vorteil - er ist nur für zwei eingedeckt und so haben wir die chance auch ohne die dame von der glastür unser frühstück zu verbringen. dachten wir. bis sie sich wenige minuten später mit kaffeetasse bewaffnet zu uns setzt "ich darf doch, gell ?!" was soll man dazu sagen?

das seminar ist nicht ganz ohne. die junge rechtsanwältin, die uns das betriebsverfassungsgesetz erklärt, kennt keine gnade und foltert uns mit paragrafen. in einer kleinen pause rufe ich unseren betriebsratsvorsitzenden an, dass er mir mal die orga-anweisung zu reisekostenabrechungen etc. schicken soll. er verspricht es, wenn ich ausführlich berichte, was gestern alles passiert ist. ich hab schon fusseln am mund, da klingelt mein handy. es ist das abschlepphotel. die versicherung würde den mietwagen nur für zwei tage übernehmen wollen. protest! was soll das denn jetzt?! der nuschelnde mann beruhigt mich und will das für mich klären. was eine neue lichtmaschine für die elise kostet weiß er noch nicht, aber da ruft er wieder an. (beruhigt sein ist anders...)

abends will der seminarclan eine kneipe in garmisch unsicher machen. das ist nichts für uns. wir klinken uns aus und werden das schwimmbad und die sauna besuchen. das fetzt mehr :o) tut es tatsächlich! ich bin keine wassernixe und so geht gabi allein ins schwimmbad während ich mir mal den fitnessraum begucke. außer uns nutzt scheinbar niemand die hotelangebote. jedenfalls kann ich mutterseelenallein ausprobieren, wozu diese geräte da sind. mutig lege ich mich unter so eine art hantelbank. mann! bin ich froh, dass mich keiner gesehen hat. kraft meiner wassersuppe bekomme ich dieses verhikel nur mit zitternden armen hochgestemmt - wiederholung ausgeschlossen. und dabei heb ich jeden abend die kinder in ihre hochbetten (31 resp. 39 kg) ist scheinbar nicht soviel wert wie ein besuch im fitnessstudio. ich begnüge mich mit ein paar kilometern auf dem fahrrad und ein paar sit ups. immerhin. (schnauf!)

gabi und ich haben uns vor der sauna verabredet und gehen dann gemeinsam hinein. drei herren gehen kurz nachdem wir uns reinsetzen. auch okay. können wir schnattern. über den tag und darüber, dass das abschlepphotel sich noch nicht wegen des preises gemeldet hat und darüber was zu hause los ist und und und - was mädchen eben so reden. allzu spät werden wir nicht ins bett gehen. morgen gehts schon etwas früher los und irgendwie fehlt doch ein wenig schlaf.

- dienstag - 20.04.2004 -
im frühstücksraum sitzen jetzt alle gemeinsam an einem großen langen tisch - da können wir uns nicht woanders hinsetzen. mist mit der höflichkeit! sie haben sicher erraten, neben wem noch zwei plätze frei sind. genau. die dame aus bad tölz... es kann einen aber auch hart treffen im leben. aber der tag hat noch mehr überraschungen. die leute vom abschlepphotel rufen an. eine lichtmaschine könne geliefert werden, aber es wäre empfehlenswert, auch gleich die kühlwasserpumpe mitzuwechseln. und der zahnriemen sollte doch auch gemacht werden, nicht wahr. den gibt es aber nicht einzeln zu kaufen, sondern nur mit den spannrollen gemeinsam. die batterie war ja hinüber und die käme dann auch noch dazu. das macht dann alles in allem etwa 500 euro. ich glaub, ich hör nicht richtig ... doch er lässt mich wissen, dass ich mich nicht verhört habe. shit!

ich bin nicht gut im verhandeln, aber wenigstens hab ich so halbwegs nen plan, wovon der mann redet und frage ihn löcher in den bauch.
spannrolle - warum nicht den zahnriemen einzeln?
antwort: die kits sind global betrachtet billiger als einzelteile und außerdem wären die spannrollen ja noch älter als der zahnriemen selber.
kühlwasserpumpe - wozu in drei gottes namen die auch noch?
antwort: na ohne die gibts keine garantie auf die lichtmaschine, weil die direkt zusammenhängen.
trotz seines protest lasse ich mir alle einzelpreise nennen und die jeweiligen arbeitsstunden, wenn er dies oder jenes... oder das andere in kombination mit... oder grundsätzlich nur... er ist leicht angenervt, als ich ihm sage, dass ich in ner stunde zurückrufe und er noch nichts machen soll.

ich rufe meinen papa an. mal hören, was er sagt. ich will meine elise so lange wie möglich behalten. ein neues auto ist die nächsten jahre nicht drin, also tendiere ich trotz der horrenden summe dazu, das geld zu investieren. mein vater fragt mich genau die gleichen fragen, wie ich zuvor den typen von der werkstatt. wir kommen überein, dass ich es richtig machen lasse und das geld investiere. *seufz* ne menge kohle! aber was sein muss, muss sein. das tue ich nur für dich, elise! ich rufe das abschlepphotel an und gebe in auftrag, den gesamt-plan auszuführen.

abends machen wir wieder die schwimmbad-fitness-sauna-runde. die anderen sind wieder irgendwo unterwegs und trinken was oder so... ich bin wieder allein in dem fitnessraum, aber ich lasse die finger von der hantelbank - bin ja lernfähig. wir treffen uns wieder vor der sauna und gehen gemeinsam rein. heute sitzt nur ein einzelner herr drin.

er bleibt sogar sitzen als wir in den schummerigen saunaraum kommen und so schwitzen wir denn zu dritt. ich bin ohne brille in der sauna. ( nachdem ich sie dummerweise mal in der sauna aufgelassen hatte, musste ich einen optiker aufsuchen. der erklärte dann dem kunststoffgestell lange und ausführlich, dass es sein dasein wirklich wieder in brillenform fristen müsse ...) ich frage gabi, ob es hier drin eigentlich außer des termometers *fingerzeig* (ich habe es ausschlißelich an hand seiner form als solches identifiziert) auch eine uhr gibt. sie zeigt auf eben dieses termometer und meint, dass diese sanduhr(!) gerade angefangen hätte zu laufen. wir müssen schmunzeln - mein coming out als maulwurf ist also schon mal erledigt. war ja einfach. mit sicherheit erkennen kann ich nur die schwache lichtquelle und da wo das meiste licht reinkommt muss die tür sein. so viel zur orientierung. der mann neben uns hat sicher seinen spaß.

gabi resümiert, dass es eine gute entscheidung war, sich abzuseilen und den tollen trink- und spaßabend der anderen nicht zu teilen. hinter mir lacht es. ich drehe mich lächelnd um. noch bevor ich etwas sagen oder fragen kann, erklärt mir der herr, dass er sich ebenso "abgeseilt" hätte. er ist auch auf einem seminar und seine leute haben sich auf die zugspitze begeben und wenn man sich überlegt, wann die dann zurück sind und dass er die ganze zeit mit denen zusammen sein müsse - nee das ist nichts für ihn. dienstag ist eh immer sein saunatag - da hatte er noch einen guten grund mehr, sich abzuseilen.

er macht einen sehr netten eindruck. zwischen schwitzen und beine baumeln lassen erfahren wir, dass sein seminar so ein "powerpoint-seminar" wäre und er morgen schon nach dem frühstück abreist - länger sind ihm solche seminare auch eher unangenehm - eingesperrt im hotel mit lauter ach so netten kollegen. die sanduhr ist fast abgelaufen (sagt gabi) und so gern ich noch mit ihm schwatzen würde - ich muss raus unters kalte wasser. der mann ist schon beinahe zehn minuten vor uns da reingegangen - was für eine kondition!

als ich nach der kalten dusche gerade mit dem riesenhandtuch kämpfe, kommt er uns lachend von draußen entgegen mit dem hinweis, dass die schwalldusche funktioniert, wenn man eben lange genug auf den knopf drücken würde. nur mut zum risiko... wir drapieren uns auf zwei von den liegen im sauna-wintergarten. eine ruhepause scheint er nicht zu brauchen, denn wir sehen ihn nicht mehr. was man über einen einzelnen mann alles schnattern kann - sie haben ja keine vorstellung! gabi erzählt mir, dass er gestern schon bei den drei herren dabei war und sie ihn auch schon mal kurz beim frühstück entdeckt hätte. und das sagt sie jetzt erst? und vor allem, warum in drei gottes namen bin ich so ein blindfisch?! sympathische männer trifft man nicht wie sand am meer und ich weiß nicht mal, ob er gut aussieht. zum haareraufen ist das. kommt aber noch besser :o)

am abend sitze ich mit gabi neben dem kamin in der lobby. man sitzt dort etwas tiefer, nicht ebenerdig. sie mit dem rücken zu einem der durchgänge, ich mit dem rücken zur bar. wir unterhalten uns über reiki und andere dinge des lebens. die ganze zeit ist bewegung hinter gabi - aber das interessiert mich nicht - ich bin konzetriert ins gespräch vertieft. reiki ist mein thema! bis auf einmal mein blick nach oben gezogen wird. was dann passiert ist schwer zu beschreiben. die einfachsten worte dafür sind: "die zeit bleibt stehen." das bunte treiben um mich herum verschwindet. ich höre es nur noch ganz gedämpft als ahnung hinter einer art ... musik? mein gespräch mit gabi ist einfach weg. es hat nie wirklich existiert. ich schaue direkt in die augen eines großen gepflegten mannes mit hellem hemd und einer jacke über dem arm. er bleibt halb stehen, erwidert meinen blick. es ist wie ein wirbel quer durch zeit und raum. ich kann in der zeit vor- und zurücksehen. da ist licht. das gefühl einer sehr alten erinneung. (die empfundene zeit entspricht nicht der objektiven. das wusste ich schon? schlaue menschen können in beeindruckenden experimenten sogar beweisen, dass selbst die objektive zeit unter verschiedenen bedingungen unterschiedlich lang ist! doch das ist nichts, aber auch gar nichts gegen dieses erlebnis.) nach einer ewigkeit verstummen die geigen, die geräusche der menschen und das treiben im hotel dringen wieder an mein ohr. ich sage so etwas wie "hallo", was er auch erwidert. dann ist er schon um die ecke und ich sehe (wahrscheinlich mit offenem mund) noch auf den flecken, wo er eben stand.

"madelchen?" ... "hallo!" ... "war er das? der aus der sauna?" ich sehe gabi an, als käme sie von nem anderen stern. woher soll ich das wissen? ich hab keinen plan, wie der mann aus der sauna aussah. es könnte jemand ganz anderes gewesen sein. ich ducke mich - so kann man quer durch den kamin lunsen (muss ein tolles bild machen) und versuche den mann zu erspähen. da ist er. umringt von drei männern, die mit ihm reden. ich zeige ihn gabi und sie bestätigt mir, dass das der ist. wow!

was war das eben? schicksal? bestimmung?

und nun? da meine neugier geweckt ist, versuche ich natürlich, ihn noch mal zu treffen. so setze ich mich später am abend an die bar. als das gefühl, jeder müsse mir ansehen, dass ich nur auf "ihn" warte, unerträglich wird, wechsle ich meinen beobachtungsposten auf die andere seite der lobby, ins internetcafe. ungefähr zwei minuten zu früh. ich sehe nun von weitem zu, wie er mit seinen kollegen die bar betritt...

och nee! ich sammle noch einmal meinen mut zusammen und setze mich neben den kamin - das ist näher an der tür zur bar. dort lese ich einen artikel zur korrektur und mache beflissentlich notizen, damit ich nicht so wartend aussehe. gar nicht lange, da kommt er aus der bar - direkt auf mich zu. er strahlt mir ein freundliches guten abend zu und ist weg, noch bevor ich den mund aufbekommen habe. oh mann! ich könnte mich in den hintern beißen und gehe seufzend auf mein zimmer. ich habs vermasselt und morgen reist er ab...

- mittwoch - 21.04.2004 -
der tag beginnt damit, dass ich ihn im restaurant verfehle (zwei seiner kollegen nehmen ihn in beschlag, bevor ich zum zug komme). danach versuche ich, ihn in der lobby zu erwischen. als mich wiederum das gefühl übermannt, jeder müsse mir ansehen, dass ich nur auf "ihn" warte, gehe ich einmal angelegentlich bis zum rover auf dem parkplatz hinterm hotel. auf dem weg zurück in die lobby sehe ich einen seiner kollegen, der ebenfalls vom parkplatz kommt. im foyer sitzt er inzwischen - wäre ich nicht rausgerannt, hätten wir schon reden können. hrmpf!!! ganz wunderbar daneben beginne ich tapferen herzens ein gespräch "na? auf dem abflug?" also wenn das kein filmreifer gesprächseinstieg war?! *jaul*

ich spiele mit dem gedanken, meine telefonnummer auf eine streichholzschachtel zu schreiben und sie ihm zuzustecken. diese idee verwerfe ich aber sofort wieder, als sein kollege (der von eben) neben uns auftaucht. aus dem kurzen wortwechsel, wer welches gepäck in wessen auto stellt, zwischen den beiden entnehme ich, dass der kollege "utz" oder so ähnlich heißt. tatsächlich gelingt es mir, mit dem objekt meiner "begierde" trotz "utz" ein paar sätze zu wechseln. sein heimweg wird ihn nach zürich bringen (oh mann! so weit weg!) und wir bringen am ende sogar eine herzliche verabschiedung zu stande...

leider weiß ich immer noch nicht, wie er heißt. ist das mit dem züricher auto nicht ein guter hinweis? meine letzte chance! ich gehe nochmal auf den parkplatz, sehe mich um, wie ein verbrecher und stecke einen zettel an den scheibenwischer des einzig auffindbaren züricher autos. jenes, von welchem ich meine, dass sein kollege von dort gekommen sein müsse. ich habe meinen vornamen, meine e-mail-adresse und meine handynumer draufgeschrieben. puuh! wenig später sitze ich mit zitternden knien im seminar.

die abschleppfirma ruft mich mittendrin an. ob ich mich denn nun für eine der varianten entschieden hätte? es würde ja nun auch die zeit drängen... bahnhof?! hab ich denen das nicht gestern lang und breit erklärt? ja hab ich. siehe dienstag, dritter absatz, letzter satz! ich gebe meine erklärung nochmal ab. ja ich will die reperatur. jaha! ALLES! oh mann!

am abend (nach sauna und fitness) gehe ich kurz ins internetcafe des hotels. ich habe einen neuen gästebucheintrag - das ist nichts weltbewegendes. es sei denn... ja. es sei denn, es ist ein gästebucheintrag aus der schweiz. *schluck* warum ist es hier plötzlich so warm? *schwitz* es ist keine absender-email eingetragen, also kann ich nur selbst in mein gästebuch schreiben, um dem schweizer zu antworten, was ich dann auch tue... adrenalin ohne ende! so wenig hab ich in einer nacht selten geschlafen.

- donnerstag - 22.04.2004 -
mein erster weg morgens führt mich ins internetcafe. ob er sich nochmal gemeldet hat? ja, er hat. lesen sie selbst - ist alles noch drin - live und in farbe. voll das leben sozusagen.

vorsichtshalber rufe ich nochmal bei der abschleppfirma an - bei denen kann man scheinbar nie wissen. nach einigem hin und her haben sie sogar herausgefunden, wer ich bin und nach welchem auto ich frage. achso ja. und sie haben immernoch nicht das problem mit meiner versicherung geklärt - aber sie würden das für mich regeln. ich bin ehrlich gesagt gedanklich schon wieder in meinem gästebuch. daher bin ich gar nicht so richtig skeptisch, was dieses "wir kümmern uns darum" betrifft.

abends gehen wir ausnahmsweise mit der seminartruppe mit. zum abschiedsabend mit umtrunk und angeregter unterhaltung kann man ja auch schlecht nein sagen. es war wirklich ganz nett. unsere bekannte hat hinter vorgehaltener hand einen witz erzählt. "was macht eine frau morgens mit ihrem arsch? sie schmiert ihm ein butterbrot und schickt ihn zur arbeit..." na wenn das nichts ist *grinsel*

zurück im hotel geh ich natürlich nochmal ins netz - will doch nun endlich erfahren, wer er ist und ob er "der" ist und überhaupt... meine frage wird auch heute nicht abschließend beantwortet. aber auf dem weg zum hotelzimmer komme ich zufällig am tresen vorbei. erinnern sie sich an dieses große glas mit den visitenkarten? bingo! da liegt ganz obenauf eine karte von einem "urs" von einer züricher firma. volltreffer! das muss sein kollege sein! ich kritzele den namen, die firma und die schweizer telefonnummer auf einen zettel. da der concierge gerade aufkreuzt, wage ich mich noch weiter hinaus. ob er mir vielleicht sagen könne, wie der kollege von urs...? nee kann er nicht - datenschutz. aber ich becirce ihn so lange, bis er mir den namen des veranstalters dieses seminares nennt, bei dem die schweizer waren. herr im himmel danke! soviel glück auf einen haufen!

- freitag - 23.04.2004 -
meine erste amtshandlung am morgen? gästebuch gucken. zweitens: abschlepper anrufen. die elise ist fertig (aufatmen!!!) mittags ist das seminar zu ende. wir quälen den rover durch die münchener rush hour, durch gewitter, sturm und hagel (diesmal ohne blitzeinschläge) und halten kurz hinter nürnberg an einer raststätte. die haben stromausfall wegen des unwetters. weder kaffeautomat noch tanksäulen oder kasse funktionieren.

auf den klos gibt es keine fenster und da ohne strom auch kein licht ... wenn ich nicht so dringend ... ich entschließe mich schweren herzens, nehme ein feuerzeug als lichtquelle mit in die dunklen hallen. das ist ein erlebnis! kann es all jenen wärmstens empfehlen, die schon immer mal wissen wollten, wie es ist, blind zu sein.

die tankstellenkunden sind alle ein wenig ziel-, rat- und planlos. die angestellten der tankstelle übrigens auch. wir lassen trotzdem die beine baumeln und nach einer knappen halben stunde läuft der laden tatsächlich wieder. wir kommen zu einem kaffee und einem schokoriegel und fahren frohen mutes weiter.

kurz vorm schkeuditzer kreuz - nach weiteren enormen regenfällen und sturmböen - wird uns klar, dass wir keinen wirklichen plan haben, welche ausfahrt wir nehmen müssen und wie wir von dort zu dem abschlepphotel kommen. auweia! ich krame die quittung raus - da steht die adresse drin, aber unser navigationssystem kennt die leider nicht. hmpf. was denn nun? ich habe eine streichholzschachtel von denen - da ist auf der rückseite eine skizze der autobahnen um leipzig mit einem roten punkt in der mitte. selbst mit einer lupe wäre schwer zu sagen, wo das sein soll und wie man dahin kommt, denn es ist genau in der mitte zwischen zwei ausfahrten.

inzwischen sind wir schon an einer der ausfahrten - aber nichts kommt uns bekannt vor. wir entscheiden spontan, weiterzufahren zur nächsten abfahrt. gerade als wir an der ersten vorbei sind, erkennen wir, dass dies doch die richtige gewesen wäre - aber was solls? wir fahren die nächste ausfahrt runter, um zu wenden, aber das geht dort gar nicht. so stehen wir an einer ampel auf einem flecken land, dass gar nicht nach der großen messestadtleipzig aussieht und sind etwas ratlos und ohne jeglichen anhaltspunkt. um uns herum ist grünende pampa.

wir tauschen einen blick und entscheiden spontan gleichzeitig wie aus einem mund:
gabi: "links"
iche: "rechts"
große sache! wir entscheiden uns kurzfristig für rechts und landen wieder an einem kreuzweg. und diesmal? sie ahnen es sicher :o) wie aus einem munde:
gabi: "links"
iche: "rechts"
diesmal nehmen wir links. das ist nur gerecht. und dann - oh wunder - kommt eine große überraschung. ohne jeglichen plan wieso und warum stehen wir direkt vor dem abschlepphotel. jubel!

na denn mal rein in die gute stube. die dame des hauses ist allein an der rezeption. sie erkennt uns fast sofort. leider können wir nicht gleich mit der schwierigen aufgabe des papierkrams beginnen, weil wir den rover nicht getankt haben - zu überraschend war unsere ankunft vor dem abschlepper. gequälten herzens fahre ich nochmal los. ihre vage beschreibung "da hinten" sei eine tankstelle macht mich nicht sehr mutig.

ich finde (nach nur vier kilometern) die tanke und stelle den rover gekonnt mit der linken seite neben die säule und kann auch gleich die tankklappe öffnen. doch während das benzin in den tank rauscht, denke ich ein wenig gefrustet, dass sie sich auch einfach hätte 40 liter sprit von mir bezahlen lassen können, statt mich nach den reisestrapazen nochmal loszuschicken. "teufelchen" auf der rechten schulter beschließt im stillen, nicht mehr als 40 liter zu tanken. so! ist schon ein wenig zickig wegen der ollen schnepfe! "engelchen" setzt sich auf meine linke schulter und ruft mich beschwichtigend zur vernunft. bleib ehrlich und tanke richtig voll wie es sich gehört! "na gut! bleib ich eben ehrlich, wenn dir soviel dran liegt!" resigniert schaue ich in die runde, um den beiden nicht länger beim streiten zuhören zu müssen. die zapfsäule schaltet einige sekunden später mit laut hörbarem klicken ab. ich drehe mich um und muss unwillkürlich grinsen: genau vierzig liter. also wirklich genau. vierzig komma null null. ich hab den kassenzettel als andenken aufgehoben.

zurück im abschlepphotel finde ich gabi recht erledigt auf einem stuhl in einer ecke der dunklen rezeption sitzen. erst als ich danach frage macht die frau des hauses ein funzeliges licht an. wir beginnen mit den einfachen sachen. schlüssel, papiere und unterlagen für den rover abgeben. das dauert gar nicht so lange - höchstens zehn minuten bis sie alles abgeschrieben hat, was ich ihrem mann vor einer woche in die feder diktiert habe. stöhn!

das mit der rechnung für die elise ist da schon schwieriger. sie ruft bei ihrem mann an und fragt, wie sie dies und das auf die rechnung schreiben soll. (na wahrscheinlich so, wie es dasteht!) als erstes zieht sie sich kopien von meinem personalausweis und meinem fahrzeugschein (zweiseitig ist kompliziert! und hatte das nicht ihr mann schon gemacht?) dann folgt wieder schwerwiegendes abschreiben vom ausweis und vom fahzeugschein. (das dauert!) sie ruft ihn zum zweiten mal an, um ihn zu fragen, ob sie denn die fahrzeugident-nummer auch irgendwohin schreiben müsse? (och menno! kann sie das nicht später machen? sie hat doch eine kopie von meinem fahrzeugschein!) beim dritten anruf fragt sie ihn, wer denn welchen durchschlag erhalten soll und welche kopie wohin müsse. (das steht doch seitlich auf den blättern drauf!) das vierte mal ruft sie ihn an, um zu fragen welches zahlungsziel sie eintragen soll. (wie hält der mann das aus? ich würde auf der stelle platzen.) sie ruft zum fünften mal an, als eine anforderung für den abschleppwagen über funk kommt. (die einzig sinnvollen telefonkosten bisher!)

nach etwa dreißig minuten ist meine rechnung soweit fertig. wie ich zahlen möchte? ec-karte bitte. sie tippt alles (zahl für zahl *schreiii*) in den kleinen rechner und gibt mir dann dieses komische teil, wo man die geheimnummer eintippen muss. ich tippe. nach ein paar sekunden ertönt ein ungnädiges PIEP. auf dem apparat steht "verbindung abgebrochen." wieder tippt sie alles zahl für zahl (kan das wahr sein?) ein und ich tippe etwas zögerlich nochmal meine geheimzahl hinterher. PIEP! "verbindung abgebrochen." ... ich wage die frage, ob das wirklich nicht von meinem konto abgebucht wird. es sind immerhin 475 euro und das gleich zweimal? sie beruhigt mich (sie kann mich auf grund ihrer überragenden kompetenz nicht wirklich beruhigen!) dass dies nicht der fall sein könne. sie ruft zum sechsten mal bei ihrem mann an (ist das zu fassen?), holt ein anderes eintipp-dingens und gibt widerum zahl für zahl ein, um mich dann noch einmal um meine geheimzahl zu bitten. widerwillig tippe ich sie zum dritten mal. gedanklich rechne ich aus, wieviel drei mal vierhundertfunfundsiebzig ist... das ist jedenfalls mehr, als ich in der portokasse habe - soviel steht fest. natürlich ertönt wieder ein lautstarkes PIEP.

wissen sie, ich will in diesem moment nur hier weg. ich will nach hause. ich will ins internet schauen. ich will alles, nur nicht mehr hier sein! sie ruft ihren mann zum siebten mal an, um sich das okay zu holen, dass sie mir die rechnung mitgibt, weil die leitung zum ec-cash nicht geht. dem himmel sei dank, dass sie die frage danach, wer welche kopien bekommt nicht noch einmal stellt. obwohl ... sie zögert, bevor sie mir das original der rechnung aushändigt. aber dann! dann dürfen wir gehen. ich lasse mir den roverschlüssel noch einmal geben, damit wir das gepäck umladen können. und da! da steht meine elise. blitzeblau und zufrieden. ich hab sie wieder! mein täubchen. ich freue mich dumm und dämlich und vergesse die frau und den abschlepper sofort, als ich das schnurren von elises motor vernehme. bis nach hause ist meine laune unkaputtbar!!!

dort rennen mich als erstes zwei mama-erwartende zwerge um. der kater dagegen beobachtet uns hochnäsig aus einiger entfernung. ich hab ihn schließlich eine woche im stich gelassen! eine halbe stunde später hab ich die familienbegrüßung hinter mir und die kinder sind glücklich im bett. ich gehe durch die küche und wundere mich, dass da eine ameise krabbelt. wo kommt'n die her? sie hat auch noch nen kumpel dabei. und da noch einen und noch einen... oh nein! och nööö! was ist das denn? meine lieben kleinen haben jeden tag ihre leeren saftflaschen ganz brav in den geschirrspüler gesteckt. gute kinder! leider hat sich das auch bei den ameisen herumgesprochen. im innenraum der spülmaschine ist nur noch ein glückliches schwarzes gewimmel zu sehen. HUAH!!! ich setze das ding erstmal in gang und hoffe, dass die kleinen biester nicht schwimmen können oder ihnen 60 grad celsius zu warm sind. ( ich werde nach ende des spülprogrammes herausfinden, dass sie schwimmen können und auch bis 60 grad hitzebständig sind ) aber was solls. es sind ja nur ein paar ameisen. schließlich bin ich doch wirklich gut nach hause gekommen und: ich lebe noch!

auf dem weg zum laptop (um endlich ins gästebuch zu schauen) komme ich am stapel post der letzten fünf tage vorbei. obenauf liegt ein brief meiner versicherung. ich starte den rechner und öffne nebenher den brief. sicher schreiben sie mir, dass sie diesen und jenen betrag an die abschlepper gezahlt haben. schreiben sie aber gar nicht. meine versicherung schreibt: "...können wir die mietwagen- und abschleppkosten nicht übernehmen, weil diese leistungen nicht im umfang ihrer versicherung enthalten sind... " schock lass nach! ich soll das selber bezahlen? wovon denn bitteschön, wenn die abschlepper dreimal abbuchen?!

irgendwie habe ich das unbestikmmte gefühl, dass der tag jetzt im eimer ist.
komisch. bis eben ging's noch...


... nachwort ...
mit ein wenig mut zum risiko erfrage ich beim veranstalter des seminares der schweizer (ich erfinde eine tolle geschichte von einer verlorenen visitenkarte) die emailadresse des kollegen von diesem "urs". ich bin jedoch durch die gästebucheinträge arg verunsichert und schreibe kein mail dorthin. am 28.04.2004 kommt der e-mail-kontakt mit dem echten "ihm" zu stande. es ist tatsächlich der, dessen e-mail-addi ich ausbaldovert hatte :o)

nach acht tagen, am 01. mai 2004, glaube ich meinen kontoauszügen und dem ec-cash-dingens, dass die reparaturkosten nicht abgebucht wurden und tätige die entsprechende überweisung online, wobei ich mal schnell meinen onlinebankingzugang sperre, weil ich erst die falsche TAN und dann auch noch die falsche PIN eingebe. es dauert drei wochen, bis es entsperrt werdne kann. aber ich hab ja auch noch telefonbanking *seufz*

etwa vier wochen nach der reise - genau am 18. mai 2004 kann ich den regulären geschirrpülbetrieb wieder aufnehmen. ich habe die ameisen besiegt, sie systematisch ausgehungert und von hand abgewaschen. jawohl! während ich die spülmaschine täglich mit backpulver ausgestreut habe (altes hausmittel - ha! rache ist backpulver!)

mit datum vom 17. juni 2004 bekomme ich, auf meine zweite vehemente beschwerde hin, von der versicherung eine kostenübernahme. sie zahlen sowohl die abschlepp- als auch die mietwagenkosten, die ich natürlich bis dahin schonmal verauslagt habe und passen auch meinen versicherungsschutz entsprechend an. am 07.08.2004 habe ich tatsächlich einen scheck ind er post - ob der wirklich gedeckt ist?

am 19.07.2004 - werde ich zwecks einer verabredung nach zuerich fahren.

wollten sie etwa für ihren betriebsrat kandidieren? überlegen sie sich's lieber nochmal. ehrlich!


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