mein leben mit katzen

oder lieber "das leben meiner katzen mit mir"?
april 1998
ein sonnenstrahlender nachmittag. auf eine annonce hin schaue ich mir ein grundstück an, auf welchem vielleicht mal unser haus stehen soll. ich hab schon viele angeschaut - aber irgendwas war immer verkehrt. in diesem nest hier war ich auch schon mal - vier grundstücke weiter die straße runter. aber heute steh ich mitten im grünen, das wuchernde unkraut reicht mir bis an die knie und ich schaue auf das gegenüberliegende haus und weiß "das ist es". komisches gefühl. ganz eindeutig. ich laufe ein wenig hin- und her und beschaue mir diese idylle. eine kleine schwarz-weiß-gefleckte gestalt beobachtet mich dabei, dann widmet sie sich wieder den grashalmen, die fange spielen wollen.

im mai unterzeichnen wir die verträge, zu pfingsten steht das erste bauwerk auf dem neuen grundstück: die schaukel der kids. beim aufbauen des holzgestell-monsters hat die kleine schwarz-weiß-gefleckte mieze geholfen. sie wird beim nächsten besuch mit leckerlis dafür belohnt und weil sie eine so dankbare abnehmerin ist, bekommt sie fortan einen eigenen futternapf und bei jedem unserer bau-besuche bestes katzen trockenfutter. zum dank spielt sie mit den kindern einige sehr beliebte gesellschaftsspiele. beispielsweise: "fang den grashalm", "anpirschen hinterm kirschbaum" oder "kurz kraulen lassen und dann schnell verstecken".

sie ist immer da, wenn wir auch da sind, als gehöre sie offiziell zum grundstück dazu. dank bestem futter wächst und gedeiht sie prächtig. bis zum tag unseres einzuges im juli 99 hat sie sich einen richtig dicken bauch angefuttert. im trubel des möbel, kisten und taschen einräumens verzieht sie sich dann aber doch. das wäre auch der robustesten katze zuviel!

pünktlich zur abendfütterung ist sie wieder da und frisst wie eine siebenköpfige raupe. sie hat es eilig und irgendwie sieht sie so struppig und dürr aus. vielleicht hat sie eine nachbarkatze zum fressen vorbei geschickt? zwischen all den kartons und sachen denke ich nicht weiter darüber nach, ob ich das bekannte oder ein fremdes hungriges geschöpf glücklich gefüttert habe? der mond scheint leuchtend orange(!) ins fenster und wir schlafen auf improvisierten lagern zum ersten mal im eigenen haus - das ist es, was im moment zählt.

am nächsten morgen taucht die katze wieder auf, frisst für drei und verschwindet sofort wieder. des rätsels lösung taucht am dritten tag auf. sie hat keinen doppelgänger, keine freundeskatzen oder futterneider. nein. sie hat junge bekommen. sechs halbblinde fiepsende bündel holt sie unter lebensgefahr von der anderen straßenseite zu uns herüber. ich hab die neuen gäste noch gar nicht willkommen geheißen, da wohnen sie schon unter einer europalette auf der zukünftigen terrasse.

Die Katze bleibt bei uns. Ihre Jungen vermitteln wir unter Tränen der Erleichterung aber auch Trauer an entfernte Bekannte und Kollegen. Im Laufe der Zeit bringt sie uns (mit größter Geduld gegenüber uns Unwissenden) alles bei, was man über Katzen wissen muss. Wann Sie Kontakt suchen, wann sie allein sein wollen. Wie sie uns um den Finegr wickeln und wann wir links liegen gelassen werden. Wir erfahren, wie es ist, wenn sie aus dem Schlaf hochschreckt und sage und schreibe 50 cm aus dem Liegen hoch springt, dass Katzen Schmetterlinge fangen und fressen, wie sie Mäuse tot spielen.

Aber wir haben auch erlebt, was sich abspielt, wenn das geliebte Schnurrtier vom Auto angefahren wird und sich mit letzter Kraft unter die Treppe des Nachbarn schleppt, um dort ab und zu ein klägliches Mauzen hervor zu wimmern. Wie viel Geld einem die Tierklinik für den Vorschag "Ist zwar schade um das junge Tier, aber Sie sollten sie einschläfern!" abnimmt. Welche Energie dieser empörende Vorschlag in einem freisetzt, wenn man sich aufrecht hinstellt und fordert: "Hier wird niemand schlafen, bevor die Katze zusammengeflickt ist!" ... Danach hat sie uns gezeigt, wie fröhlich sie mit drei gesunden + einem gelähmten Bein(en) durchs Leben kommt, immer noch Mäuse fangen und wieder schwanger werden kann...

Der zweite Wurf kommt auf dem weißen (na gut danach war er nicht mehr ganz so weiß) Teppich unter dem Wohnzimmertisch zur Welt. Ich musste ihr die Pfote halten und durfte ganz vorsichtig den vier kleinen klebrigen Bündeln die Nasen frei machen, damit sie ungehindert atmen können.