im parkhaus mit frauen

nein. einparken ist kein problem für mich - eher das leben um das autofahren drum herum, wie mir scheint
dienstag, 07.11.2006
heute ist kinodienstag. ich hab den kids versprochen, dass wir uns "deutschland ein sommermärchen" in gedenken an die fußballWM anschauen. in den bahnhofspassagen gibt es nicht nur das kino, sondern auch eine tiefgarage. ich kenne die in- und auswendig, weil wir sehr oft dort sind. alle tricks sind mir bekannt. wenn man sich das ticket beim supermarkt entwerten lässt, kann man 90 minuten umsonst parken und muss das ticket trotzdem noch durch den kassenautomaten ziehen lassen. zwischen kassenautomat und ausfahrt hat man zehn minuten zeit. die frauenparkplätze sind nicht breiter, sondern nur näher am ausgang und besser beleuchtet und so weiter. ich bin wirklich mit allen wassern gewaschen - dachte ich.

an der kinokasse ändern wir unsere absichten spontan, als wir lesen dass "santa clause 3" auch schon läuft. wir kaufen am weihnachtsstand liebesäpfel für zu hause, trinken im kino cola, essen popcorn, lachen uns scheckig - das volle programm eben. nach dem film ist es schon kurz vor 19 uhr, aber einer erfolgreichen familienmutter ist keine versorgungslogistik zu schwierig. ich versorge die kids mit frisch gebackenen pizzabroten beim namenhaften brezelbäcker und flitze zwecks milchkauf schnell in den supermarkt, welcher mir auch das particket 90 minuten billiger machen wird. es geht ganz schnell und schon bin ich zurück bei den mampfenden kids. ich erzähle den beiden, dass es in dem markt gerade ein winterstiefel-angebot (gleich nach logistik kommt finanzmanagement im lehrplan) gibt. sie sind neugierig und gemeinsam beschließen wir, dass wir uns das mal näher begucken wollen.

da ich den kleinen einkauf von eben nicht mit in den markt nehmen darf und will, gebe ich ihn vorne am infostand ab. ich scherze noch mit der diensthabenden verkäuferin, dass ich eine gute kandidatin bin, die sachen nachher zu vergessen und sie solle dann wenigstens die schönen roten liebesäpfel nicht umkommen lassen, sondern selber essen. die kinder protestieren ob meines unglaublichen angebotes und schwören, mich daran zu erinnern, alles mitzunehmen. nein. eigennutz würd ich das nicht nennen - eher fürsorge :-)

die stiefel gefallen ihnen und so tappen wir also quer durch den markt, stellen uns an einer kasse an, berechnen zum zeitvertreib wie lang fünf kunden mit kleinen einkäufen im vergleich zu zwei kunden mit großem einkauf wohl zum bezahlen brauchen und holen weitere zehn minuten später milch und rote äpfel bei der netten infodame ab. klar muss ich sie jetzt enttäuschen... lachend fahren wir mit dem fahrstuhl in die tiefgarage.

inzwischen ist es kurz vor zwanzig uhr. die kids sollten ins bett und ich bin langsam ziemlich platt nach 13 stunden auf den beinen. außerdem muss man ja nicht forcieren, dass man mehr als notwendig am parkautomaten nachzahlen muss (ja ja - die neurose des finanzmanagement *seufz*) wir packen das auto voll und ich kurve meine kleine rote simba (sie ist die heiß ersehnte und innig geliebte nachfolgerin von elise) dicht vor die ausfahrt, springe zum parkkassenauomaten und stelle erstaunt fest, dass das schon 2 euro nachzuzahlen sind. ich hatte nur mit 1 euro gerechnet.

in meinem portemonnaie sind zwei fünfzig centstücke - aber ich hab ja kinder mit taschengeld dabei. nun ja. die kleine hat ihr gesamtes vermögen in popcorn und cola investiert und nur noch schlappe 27 cent und der große hat gar kein geld dabei gehabt... jetzt wo ich drüber nachdenke, erinnere ich mich daran. och nöö!

glücklicherweise enthielt meine inzwischen knapp 12-jährige mütterausbildung auch "improvisation und lösungsfindung" ich parke simba in eine richtige parklücke, instruiere die kinder "kein blut bis ich wieder da bin" und flitze durch die tiefgarage zum fahrstuhl, durch das halbe einkaufscenter und lande nach einem kilometer hindernislauf zwischen last-minute-einkäufern hindurch am geldautomaten. vor mir zieht ein junger mann gerade geld und ich staune, dass er sich scheinbar so gar keinen kopf darum macht, dass jemand über seine schulter (er ist höchstens einen meter sechzig groß) sehen kann, was er da eintippt: 20 euro. naja. sein problem.

ich bin an der reihe und ziehe die gleiche komische summe - soll ja nur für den parkschein reichen. dann sause ich meinen kilometer-hindernis-parcours wieder zurück. lache mich scheckig, weil ich, noch bevor mich die kids um die ecke kommen sehen können, mit der fernentriegelung simba zum blinzeln und licht anschalten bringe. dann renne ich in comic-manier am auto vorbei, winke mit dem 20 euro schein und schiebe das parkticket ind en automaten. der will 3 euro von mir. wucher! ich schiebe den zwanziger in den geldschlitz -pfffft- kommt der wieder raus. nochmal luft holen, hand beruhigen, nochmal ganz gerade ansetzen -pfffft- so geht das nicht. ich drehe den schein um, mit dem metallfolienstreifen voran -pfffft- ÄÄÄh?

vielleicht nimmt der vorübergehend keine scheine? doch - die anzeige lautet nach wie vor "3 euro gebühren, automat gibt wechselgeld". ich versteh das nicht und beginne, den automaten genauer zu untersuchen. da! da steht was kleingedrucktes über dem geldscheinschlitz. unglaublich! "Zahlung mit 20-Euro-Banknoten erst ab einer parkgebühr von 11 Euro möglich." ist nicht wahr!

eine weitere lektion aus dem dschungel des familienweiterbildungsprogrammes kommt zum tragen: lächle, denn es könnte schlimmer kommen!"

ich lächlte. und was soll ich sagen?

ich springe vor das auto, welches sich gerade der ausfahrt nähert, klopfe beherzt an die scheibe der fahrerin und frage sie, ob sie einen zwanzig euro schein wechseln kann. kann sie nicht (die ist mit dem lenken und rausfahren schon total überfordert und muss tatsächlich noch zweimal zurücksetzen, bevor sie die gewünschte richtung findet. noch ein auto nähert sich und wieder springe ich hinzu - aber noch bevor ich meine frage gefragt habe kenne ich die antwort. hinter dem steuer sitzt der kleine mann vom geldautomaten. der hat ja mit 99%iger wahrscheinlichkeit seinen geldbetrag auch als EINEN schein bekommen. mist!

etwas resigniert flitze ich zum auto, bitte die kinder ruhe zu bewahren und weiterhin kein blut zu vergießen und flitze einen kilometer durch die dunkle tiefgarage, den lahmen fahrstuhl, kaum mehr einkaufende menschen (es ist schon 20:05 uhr!) an die info zu meiner apfel-frau. sie kann mir nicht helfen - keine kasse mehr da. hilfesuchend drehe ich mich um. da! eine frau mit einkaufskorb. "ob sie vielleicht?" die guckt mich nicht einmal richtig an. das pärchen dort? nein. die haben gerade alles geld ausgegeben. der herr im dunklen mantel? er hat nur größere scheine. jetzt frage ich einfach laut in die runde der letzten kunden: "kann hier irgendemand einen zwanzig euro schein wechseln?!"
pikierte blicke, SCHWEIGEN, alle wenden sich wieder ihren eigenen belangen zu.

ein wenig verzweiflung macht sich breit. mir kommt gerade die kinokasse in den sinn. die ist nur einen weiteren knappen kilometer hindernis-laufen entfernt und als bonus: ich müsste dann außen herum, ohne jacke bei 5°C um die gesamten bahnhofspassagen (ca 1,5km) zurück zu simba und den kids laufen, da ab 20 uhr eine schleuse in dem gebäudekomplex geschlossen wird und ich bin nicht mal sicher, ob ich dann da reinkomme, weil der von mir begehrte teil der tiefgarage dann auch geschlossen wird. wie gesagt: ich kenn mich aus.

in meine aufkeimende verzweiflung herein höre ich eine bekannte stimme: "junge frau!" meine apfel-frau! sie winkt mich zu sich. sie hat für mich im kassenbüro angerufen und die wären so nett, mir zu helfen. ich müsse nur hier an den kassen vorbei, da um die ecke und dort hinter der wand, die tür ohne klingel... das mach ich doch gerne! im vergleich zu meinem lösungsweg ist das doch das reinste zuckerschlecken!

drei minuten später habe ich einen zehner, einen fünfer, einen zweier, zwei einer und zwei fuffziger. ich bedanke mich, finde mich aus dem dschungel der büroräume wieder zum infostand, schenke der hilfreichsten person des abends einen euro, damit sie sich einen redlich verdienten liebesapfel kaufen kann und komme glücklich in die tiefgarage.

irgendwo schlägt eine diebstahlsicherung los. laut hallt es durch die leere garage. na ein glück, dass ich hier gleich weg bin und meine simba nebst den zwei besten kindern der welt vor den bösen autodieben in sicherheit bringen kann! schnell flitze ich um die letzte ecke. und? natürlich! es ist meine simba, die alarm schlägt! die zwei kinder, die verschreckt rausgucken kenn ich auch. sind meine. mit der fernentriegelung schalte ich das wilde gehupe aus. ein ernster blick in die kindergesichter, dann prusten sie laut los. "mama! unsere simba ist wie ein wachhund! als ich die tür aufgemacht habe, um zu sehen, wo du bleibst, hat sie alarm geschlagen, weil sie dachte, wir wollen abhauen!"

irgendwie bin ich schon wieder versöhnt mit der welt. diese kinder sind unbezahlbar! brav bezahle ich meine drei euro und fahre eine kleine fröhliche familie nach hause...