reiki - und wie ich dazu kam


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18.09.2003
was für ein seltsamer tag gestern war! cih hatte einen termin bei der "reiki-frau" ... was heute wird? mal sehen.

meine kollegin war gestern wenig im büro. aber wenn, dann haben wir recht vernünftig geredet. sie ist nicht mehr so schwankend wie montag und dienstag gewesen, aber zwischendruch manchmal recht aggressiv (wegen schnuppi). nun ja - unter anderem fragt sie mich, warum ich so ernst gucke und ich antworte "mein hirn baut synapsenverknüpfungen" sie: "?" und dann hab ich ihr ein wenig von energien, auren und reiki erzählt. während ich erzähle schaue ich sie an und meine augen wandern so knapp an ihr vorbei und ich frage mich, ob das ne optische täuschung ist. wenn man lange genug einen dunklen punkt anstarrt und dann auf eine helle fläche guckt projiziert das verwirrte auge ein negativbild des flecks... nun hab ich mich weiter im zimmer umgesehen beim reden - pflanzen... sie haben auch so ein komischen negativbild drumrum. dartscheiben nicht. meine hände? ich bin nicht sicher. magnettafeln haben keines, aber meine kollegin. *schluck* sie hört die ganze zeit aufmerksam zu und fragt dann am ende "und? siehste was hier um mich rum?" *umfall* meine stirn brennt!

die tagung. ich sitze neben zwei meiner kolleginnen. ich schaue mir unsern vorstand auf dem podest an. meine stirn brennt. schon wieder? immer noch? und ich frage mich, ob ich bei den drei herren auch solche negativbild-erscheinungen sehen werde - hab sie ja gut im blick. die linke hand ist vom vorstandsvorsitzenden ist zartblau, das kronenchakra (ich habe mich schlau gemacht) vom zweiten vorstandsmitglied ist auch blau. der dritte im bunde ist ganz frisch und dynamisch - aber ich konnte nichts sehen. meine hände fangen an zu brummen. ich lege die unterarme auf die armlehnen des stuhls und lasse meine hände locker über meinen oberschenkeln schweben. hitze. meine übernachbarin beugt sich zu mir vor und sieht mich und meine hände fragend an. ich winke ihr mit dem zeigefinge, dass sie mir ihr hand geben soll. sie tut es. ich halte meine hand darüber im abstand von ca. 4 zentimetern. sie sieht mich an nach dem motto "ja und?" innerhalb von ein paar sekunden verändert sich ihr blick und sie hat ein riesiges fragezeichen auf der stirn, bis sie die hand eilig wegzieht und mit den lippen nur ein wort formt: "warm!"

ich gehe nach der tagung nochmal hoch ins büro - kleinigkeiten erledigen, dann um dreiviertel fünf runter - buffett plündern. um halb sechs wieder hoch - motorradklamotten anziehen und dann fahre ich los zur reikifrau. unterwegs überlege ich, was ich sie eigentlich fragen will und überlege, dass ich ihr einfach alles das erzählen werde: stirnbrennen, mit den händen energie senden, träume... alles. ich stehe an der kreuzung vom hotel mercure und es durchzuckt mich wie ein blitz. ich werde sie dort nicht treffen. und außerdem machen alle läden in babelsberg schon um sechs zu und es ist jetzt zwei minuten vor sechs - warum soll sie da noch in ihrer heilpraxis sein?! ich fahre trotzdem weiter und denke bei mir "du bist ja nur feige!"

in babelsberg finde ich die nummer 66 auf anhieb, stelle mein motorrad ab und beim einparken höre ich selbst mein motorrad, als würde ich nicht darauf sitzen, sondern in ein paar metern entfernung zusehen. komisch, sich selbst mit fremden(?) ohren zu hören. ich gehe zu der haustür und klingele. ich kann die klingel bis unten vor dem haus hören. aber nichts passiert. ich überlege, ob sie gerade ne sitzung hat und dass ich dann störe. nach einer minute oder zweien klingele ich trotzdem nochmal. ich kann noch nicht glauben, dass ich sie heute nicht treffen werde. aber es passiert eben nichts. ich tappe die drei schritte zum motorrad und denke nach. ich klingele nach ner minute nochmal und es passiert wieder nichts. meine stirn brennt. ich sehe auf das praxisschild und da steht ihre telefonnummer. ich tippe die nummer ins handy mit der absicht, auf den AB zu sprechen.

...TUT TUUT...
"baumann"
"guten tag. ich stehe gerade vor ihrer tür, aber sie sind nicht da. sie sind doch frau baumman?"
"ja ja. aber wir hatten doch keinen termin, oder?"
"nein nein. ich bin unangemeldet. sie sind aber gerade nicht da, oder?"
"nein ich bin hier in einem projekt "zirkus für potsdam"
"achso. sie haben genion. deshalb kann ich hier stehen und sie gehen trotzdem ans festnetz dran."
"ja. was möchten sie denn?"
"ich wollte nur einfach ein paar fragen loswerden"
"na dann fragen sie mal. so viel zeit hab ich"
"oh. am telefon ist das etwas schwierig."
"na worum gehts denn?"
"es gibt da ein paar dinge in meinem leben... ich würde einfach gern wissen, ob reiki mir da helfen kann"
"achso. na dann lassen sie uns einen termin machen, aber diese woche nicht mehr. da bin ich die ganze zeit beim zirkus. nächste woche?"
"nächste woche klingt gut. was ist das denn für ein zirkus?"
"wir haben so ein projekt ins leben gerufen und wollen einen festen zirkus für potsdem errichten, wo kulturelle veranstaltungen stattfinden und wo kinder spielen können und kreativ sein und so."
"ein fester zirkus in potsdam? wo denn da?"
"na im lustgarten. hier am hotel mercure."
"*räusper* ach! als ich da vorbeikam dachte ich gerade an sie. wie passend."
"achso?"
"ähm ja. wie wäre es denn am montag. später nachmittag, früher abend? da hab ich auch nen babysitter."
"ja das wär toll. vormittags mach ich montags keine termine. bis sonntag ist ja zirkus und montagabend seh ich dann wieder menschlich aus."
"oh, es wäre für den anfang völlig in ordnung, wenn ich sie in menschlicher gestalt kennenlerne. um halb sechs?"
"oh, ja ja. sagen sie mir nochmal ihren namen?"
ich buchstabiere ihr meinen namen und meine telefonnummer
"ja fein. dann sehen wir uns nächste woche."
"ja dann bis montag und viel spaß noch beim zirkus"
KLICK

tiefluftholen. nächste woche? montag? was ist heute? mittwoch. fast eine ganze woche noch. na schön. wie spät ist es? zwanzig nach sechs. zur elternversammlung brauch ich jetzt noch nicht zu fahren.egal. ich fahre los. helm wieder auf, handschuhe wieder an. alles wieder verzurren und verschnüren. meine stirn brennt. ich tuckere durch die stadt. der helm drückt doch auf die stirn - da kann doch gar nichts brennen! es brennt.

am mercure (wieso komme ich dort vorbei, obwohl ich schnellstraße gefahren bin?) muss ich wieder an der roten ampel stehen. ich sehe zum lustgarten und dort ist nichts. kein zirkus. trotzdem biege ich nach der ampel links ab und fahre die kleine straße rein. dort sind sie. drei zirkuszelte. das stirnbrennen geht jetzt von den augenbrauen bis zum haaransatz. irre. ich stelle die maschine ab und beschließe, mich dort auf ne bank zu setzen, bis der anfall vorüber ist, oder die reikifrau mich erkennt, oder ich sie? das mit der bank ist nicht schlecht. das stirnbrennen lässt nach. ich drehe mir ne zigarette und frage eine junge frau nach feuer. dann sitze ich einfach nur da und schaue dem treiben zu. vor den zelten sitzt die freiwillige feuerwehr. eine dame, die infomaterial verteilt. zwei frauen üben sich im jonglieren. ein paar kinder rennen rum. aus einem zelt kommt leise musik.

ich sehe mir das linkeste (hübsches wort) von den drei zelten an. meine stirn brennt jetzt nur noch rechts über dem auge und ich frage mich, ob das ein hinweis ist. ich schaue also weiter nach rechts und das brennen ist plötzlich nur noch in der mitte. huch! nochmal versuchen. klappt nochmal. komisch. ich kann es nicht erklären und außerdem muss ich los zu elternversammlung. also zum motorrad. wieder alles verzurren und anziehen. beim losfahren kommt mir eine junge frau entgegen. ich halte an, damit sie über die straße kann und ich denke nur "das muss sie sein" und lächle. sie lächelt zurück und ich fahre los.

elternversammlung. alles prima. alles wieder total aberwitzig, weil lehrer so eine besondere spezies sind. nach der versammlung quatsche ich noch kurz mit einer anderen mutti, dann trabe ich zum mopped und verzurre alles zum x-ten mal heute. ich setze mich drauf, rolle ein paar zentimeter auf den schotterweg hinunter, will den lenker einschlagen und KLATSCH liege ich lang. mein tankrucksack liegt zwei meter weiter und mein bein steckt unterm motorrad fest. ich zerre den helm vom kopf und drücke geistesgegenwärtig den not-aus-knopf.

mein rechter stiefel ist eingeklemmt und bewegt sich keinen zentimeter. ich ziehe, aber nichts passiert. ich versuche trotz eingeklemmtem fuß die maschine anzuheben - das geht natürlich nicht. ich hole tief luft und versuche nachzudenken. das hier ist ne schotterstraße. der boden unter mir ist also nicht so fest wie asphalt. es muss mit drehen und ziehen möglich sein, den boden zu lockern und den fuß zu befreien (ich kann froh sein, dass der stiefelabsatz eingeklemmt ist, sonst wäre mein fuß matsch!). okay. genug informationen. ich drehe und schiebe und ziehe und schwitze. nach fünf minuten hab ich mein bein wieder. zitternd. ich hole nochmal tief luft, gehe um die karre rum - aber sie ist soweit übergekippt, dass ich sie nicht aufheben kann. logo! ich bin ein dummchen. ich muss sie von der seite hochstemmen, wo sie liegt - hochziehen geht doch gar nicht!
gesagt getan. wieder um die maschine rum. drunterknieen. ich bekomme sie halb hoch, dann rutscht sie auf dem schotter in richtung eines parkenden autos. aber ich bekomme es hin, den richtigen winkel zu finden und staune, dass ich trotz zittern und aufregung genug kraft habe, um sie auf meinen oberschenkeln abzustützen, während ich mich auf die andere seite rüberbeuge und den ständer mit der hand ausklappe. dann steht sie da. mein geliebtes katrinchen - mit weit nach links eingeschlagnem lenker, der sich nicht bewegen lässt. das lenkradschloss ist total zerschossen. sie springt auch nicht an.

ich klopfe mir erstmal den ganzen staub ab. rucksack, helm, klamotten - alles ist von einer dicken staubschicht bedeckt. ehrlich betröppelt steh ich da. heimlich schleicht sich ein kluger gedanke in meinen kopf: "sie kann nicht angehen, weil sie so weit übergekippt war, dass zwecks schwerkraft der vergaser leer ist." okay. das krieg ich hin! ein zwei mal den gashebel drehen und warten. dann kommt noch ein schlauer gedanke angeschlichen "wenn das lenkradschloss eh hinüber ist kann ich jetzt mit einem gezielten kräftigen ruck das letzte blockierende stück abscheren und dann dürfte es gehen." beides funktioniert. ich fahre nach hause und stelle mein geliebtes katrinchen in ihre parklücke. ich bin durcheinander. meine knie sind zittrig.

später kraule ich den kater, trinke wasser und sehe eine postkarte auf dem tisch. titicaca-see. peru. von wem ist die? ich drehe die karte um und setze mich hin. meine erste große liebe. ich war vierzehn, er dreiundzwanzig. mehr als knutschen war nie ;o) das letzte mal, dass wir kontakt hatten war 1999 - eine weihnachtskarte von mir an ihn "ich feiere weihnachten im eigenen haus" nun ja - seine antwort hat fast vier jahre gebraucht und kam eben genau heute... *lächel*

ich falle ins bett und träume komische sachen.

jetzt bin ich hier.

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