selbst ist die frau

don't try this at home!
die kaffeemühle das fahrrad das motorradrücklicht

die kaffeemühle
irgendwann im leben eines menschen kommt der zeitpunkt, wo man sich vom einfachen, improvisierten leben des ewig jugendlichen ab- und dem stilvolleren, qualitätsorientierteren leben des erwachsenen zuwendet. man kauft nicht mehr das billigste, sondern das gesündeste nahrungsmittel, kehrt zigaretten, alkohol und discoclubs den rücken und investiert das gesparte geld beispielsweise in einen hotelurlaub, eine kristallene weinkaraffe oder eine dreiteilige leder-couch-garnitur. ich habe mein gespartes geld in geschmackvolleren kaffee investiert. der umstieg von pulver- auf frisch selbstgemahlenen kaffee war ganz einfach und im ergebnis sehr befriedigend. die kaffeemaschine wurde verschenkt, eine kaffeemühle und eine french-press (diese bodum-kaffee-bereiter) bei eBay ersteigert. ich war zwei jahre lang glücklich und zufrieden. mahlte mir frisch, nur so viel wie eben benötigten kaffee und genoss das aroma.

bis zu dem tag, da meine tochter diesen perlenuntersetzer fertigte, mir omas altes bügeleisen anschloss und mich bat, die perlen unter backpapier zusammen zu bügeln. ich bemühe mich redlich, eine gute mutter zu sein und natürlich fördere ich die kreativität meiner kinder. ich schmolz die perlen zusammen, beschwerte das ergebnis mit einem holzbrett, damit es sich beim auskühlen nicht krümen konnte, brachte das bügeleisen fort und kochte mir zum krönenden abschluss einen wohlverdienten kaffee. nun sagen wir mal, ich wollte mir einen kochen.

die kaffeemühle indes bewegte ihr mahlwerk kein stück. schalter an, schalter aus, stecker rein, stecker raus. nix! stille ... hmpf ... sicher hat sich eine der kaffeebohnen verklemmt oder es war ein kleines steinchen dazwischen. das gabs zwar noch nie, aber das muss ja nicht heißen, dass es deswegen nicht passieren kann. erstmal hole ich eine schüssel, um die kaffeebohnen umzufüllen. dann untersuche ich das kunststoffgehäuse auf seine einzelteile, genauer gesagt wie deren verbindung gefertigt ist. ah ja! das hier kann man so abnehmen und hier muss man schrauben ...

als ehemalige uhrmacherin bin ich ausgestattet mit technischem sachverstand und präzisionswerkzeugen, die man ja aller tage wieder braucht, um beispielsweise kinderspielzeug zu rekosntruieren oder batterien zu wechseln. ärmel hochgekrempelt und losgelegt. nach einigem hin-und-her-gedrehe der kaffeemühle habe ich eine menge kaffeepulver aus den kleinen ritzen und hohlräumen zu tage befördert und da ist dann auch endlich das mahlwerk zu sehen. und was soll ich sagen? da klemmt eine kaffeebohne quer! das war ja einfach. mit einer kleinen zange bekomme ich sie zu fassen, muss sie aber zerbröseln, da sie sich aus der misslichen lage nicht befreien lassen will. nicht weiter schlimm. verluste gibt es überall!

zufrieden stelle ich den urzustand des gerätes wieder her. gehäuse wieder zu. trichter wieder drauf. schrauben wieder rein. bohnen. deckel. strom. schalter. und? stille. fragezeichen? die brummt ja nicht mal, als wolle sie das mahlwerk in bewegung setzen! aber so schnell geb ich nicht auf. umgekehrte reihenfolge strom weg, deckel ab, bohnen, schrauben und trichter raus, kontakte des motors prüfen. vielleicht sind die kleinen kohlebürsten verdreckt?

in der maschine sieht es aus als wäre der schah von persien zu besuch angekündigt. sauber geschniegelt und gebügelt. kein fitzelchen staub oder dreck. mist! dann haben wir es wohl mit einem kapitalen motorschaden zu tun! na ja. trübsal blasen hat wenig sinn und allzu teuer war sie ja auch nicht und sie hat ja auch lange durchgehalten und das ganze kaffeepulver, was noch so aus dem mahlwerk kam, werde ich jetzt zu einem henkerskaffee verkochen. SEUFZ als abschied an meine treue weggefährtin frau kaffeemühle.

ich baue sie liebevoll ein letztes mal zusammen. das geht jetzt schon recht schnell, da ich gut in der übung bin. ich sammle das kaffeepulver in den kleinen tassendauerfilter und setze den wasserkocher in gang. während der das wasser erhitzt, schaue ich doch ein wenig betrübt auf das kaputte gerät. nach zwei minuten fällt mir was auf.

es ist still. der wasserkocher ist still. so wie die kaffeemühle. komisch!

rekapitulieren wir das zuletzt geschehene. also ich meine vor der reparatur. perlenuntersetzer? bügeleisen? ALTES bügeleisen! ist nicht wahr oder? ich renne in den keller und bekomme einen echten lachanfall. das bügeleisen hat die sicherung gekillt und ich reparier mir nen wolf an einem einwandfrei funktionstüchtigen gerät.

was lernen wir daraus? technischer sachverstand is nothing without control!

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das fahrrad
muttertag 2006. ich werde von meiner tochter geweckt mit karte, selbstgebasteltem herz-geschenk und dem bedauern, dass sie keine blumen hat. wir könnten mit dem rad wilden flieder schneiden fahren, schlage ich ihr vor. sie ist begeistert, fragt zwar nach, warum fahrrad - aber ich bin zu matsch im kopf, um ihr veto zu verstehen.

schnell ziehen wir uns an, basteln mit einiger mühe die fahrräder aus dem schuppen. ich habe gar kein eigenes und nehme das riesige rad von meinem sohn. ich will richtung wald radeln oder die straße entlang, als meine kleine fragt, "aber wieso denn? da hinter der kirche am friedhof wächst doch ganz viel flieder?!" warum nehmen erwachsene (nehme ich) so oft nicht richtig zur kenntnis, was die kids alles wissen? der von ihr beschriebene fliederbusch ist nur knapp eine geh-minute von uns entfernt.

damit sich das mit dem herausgeholten fahrrad dennoch lohnt, will ich mit ihr wenigstens von hinten durchs dorf zum flieder fahren. wir sind gerade auf die stra&azlig;e gerollt, als es hinter mir ruft "halt mal an. hier ist was abgegangen!" ich rolle langsam weiter, damit sie alles aufheben und mir dann folgen kann, als ein weiterer ruf folgt "mam! ich kann so nciht weiter fahren!" ich halte an und drehe mich zu ihr um. sie fuchtelt mit einem eckigen gegenstand in der luft rum.

etwas missmutig fahre ich zu ihr, als ich erkenne, was sie hochhält: die pedale mitsamt kurbel. "och nö!" kein werkzeug dabei und irgendwie auch keine lust, das fleiderschneidevorhaben ganz zu canceln. ich fingere die mutter unter dem deckel hervor, setze die kurbel wieder auf den vierkant, schraube die mutter drauf und versuche, sie mit der gartenschere so fest anzuziehen, dass sie an ort und stelle bleibt. geschafft. wir schwingen uns auf die räder. ich fahre ein paar meter, als wieder ein ruf ertönt: "mama! das ist schief!"

was hab ich nur verbrochen? ich drehe mich um und will gerade sagen, dass ich das ohne werkzeug nun mal nicht besser kann, als sie klagt: "das geht so nicht!" und ich sehe auch warum: ich war so clever, die kurbel auf den vierkant so aufzusetzen, dass die pedale beide gleichzeitig nach unten oder oben zeigen. sie kann damit wirklich nicht fahren - nur springen. wir lachen uns schlapp.

nachtrag: meine finger- und gartenscheren festgezogene mutter lässt sich natürlich ohne werkzeug nicht so einfach wieder lösen und ich bin etwas zerknirscht, bis ich die pedalkurbel richtig aufgesetzt und wieder festgezogen habe. jetzt aber nix wie zum flieder! die anderen warten zu hause sicher schon, wann wir zum frühstücken kommen! auf dem feldweg zur kirche knackt ihr fahrrad verdächtig und einen moment später kommt der hilferuf: "mama! es ist schon wieder abgefallen!" ich lege mein rad ins gras und tappe zu ihr zuück. sie zeigt mir die pedale und diesmal haben wir pech: mutter und abdeckkappe sind weg und lassen sich in der grasnarbe nicht finden. da werd ich wohl zum fahrradreparaturladen fahren müssen. mist!
zwei tage später verkündet mein vater stolz, er habe das rad der kleinen repariert. ich schaue ihn groß an: "wie das? hast du so eine mutter gekauft?" darauf er:" warum denn? die war doch noch unter der abdeckkappe an der kurbel!" meine tochter und ich tauschen einen fragenden blick, dann können wir nur noch lachen. wir sind wohl zum fahrrad reparieren komplett untauglich!

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das motorradrücklicht
ich hatte mit meinem ex-mann ein gemeinsames motorrad. probleme sind vorprogrammiert, wenn ein mann und eine frau eine sache gemeinsam besitzen, die so grundverschiedene emotionen freisetzt. er musste sich innerhalb der motorradgang, zu der man(n) unweigerlich gern gehören will, profilieren und meine wenigkeit war mit der tatsache, eine motorradfahrende frau zu sein, schon sehr zufrieden, weil im ansehen frei- ode unfreiwilliger zuhörer sofort mindestens einen punkt aufwärts plaziert.

er ließ sich von seinem motorraderfahrenen kumpel beschwatzen ein hd-rücklicht (für alle nicht-motorrädler/innen: hd= harley davidson) für unsere kawasaki zu einem horrenden preis aus einer dubiosen quelle zu kaufen. natürlich war das kein tüv-eintragungsfähiges, weil schwarzimportiertes teil und konnte darum auch nicht so einfach in irgendeine werkstatt getragen und dort vom fachmann angebaut werden. nein! mann wollte es lieber selber anbauen und damit gleichzeitig auch unter beweis stellen, dass man es allemal mit den anderen freaks der motorradszene aufnehmen könne, die in waghalsig ausgeschmückten geschichten davon erzählten, wie sie aus diversen schrott-findel-stücken ganz geniale zweirräder zusammengeschraubt hätten.

mit einem kasten bier und einer nicht ganz zehn teile umfassenden werkzeugausrüstung ging es ans werk. zu zweit mit dem besten kumpel das bier auszutrinken und die neuesten technischen details auszutauschen, nahm bereits einiges an zeit in anspruch und bevor man sich trennen musste (wegen verständnislos wartender frauen daheim), wurde schnell noch das originalrücklicht ab- und das hd-rücklicht angeschraubt. war doch ganz einfach!

ist bis hierher eine nette klischee-beladene geschichte. es kommt aber noch besser. bei meiner nächsten motorradfahrt passierte ich frohen mutes die schnellstraße und wurde schon unterwegs so merkwürdig langsam von einem polizei-vw überholt, der sich dann auch prompt wieder hinter mich fallen ließ. aber da ich mir ja nichts hatte zu schulden kommen lassen, fuhr ich ruhig weiter und wie geplant die nächste abfahrt runter. ich wurde dann doch stutzig, als der bulli spontan mit ausfuhr und sich an der kreuzung neben mich stellte. tapfer ignorierte ich den neben mir stehenden wagen, trotz des unangenehm wachsenden gefühls, beobachtet zu werden.

gerade wollte ich losfahren (die straße war frei, das stopp-schild beachtet und der schulterblick aus gegebenem anlass astrein von mir vorgeführt worden), da hupt es neben mir und der polizist am steuer winkt wie wild. ein gerade in bewegung gesetztes motorrad hält sich in verstört-erschrecktem gemütszustand nicht so hundertprozent elegant wieder an - aber die b-note war ja unwesentlich. ich schob das visier hoch und riet durchs motorengeräusch, dass er was sagte: seine lippen bewegten sich und er gestikulierte... dann rollte er dichter neben mich und meinte in erhöhter lautstärke, mein bremslicht ginge nicht. ich glaube immer an das gute im menschen und natürlich auch an die fachkenntnis der motorradhersteller und sag prompt: "kann nich sein!" (typisch frau! redet erst und denk dann) eine sekunde später fiel mir siedend heiß wieder ein, dass ich ja seit kurzem mit einem nicht-eingetragen hd-licht durch die gegend fahre, welches zwei starke männer nach dem genuss von unzähligen bieren mit großer sorgfalt montiert hatten. schreck lass nach!!!

natürlich musste ich rechts rausfahren und mein bremslicht vorführen und da ich wusste, was auf dem spiel stand, war ich von da an auch ganz besonders kooperativ und super freundlich und gar nicht mehr voreilig mit "kann nicht sein"-äußerungen. zu meiner erleichterung war der polizist mehr am motorrad als am verkehrsvergehen interessiert und so fanden wir schnell heraus, dass eines der kabel falsch geklemmt sein musste: statt der bremse leuchtete die nummernschildbeleuchtung auf und das rücklicht brannte permanent mit zu wenig saft auf halbmast. er hatte wahrscheinlich feierabend oder war nur der chauffeur? na jedenfalls musste ich nix bezahlen und bekam auch keine ermahnung oder so, nur den freundschaftlichen hinweis, dass ich mir die kabel mal anschauen solle.

ja klar hab ichs repariert. das schwierigste war, die sitzbank abzubauen - dafür bekommt kawasaki eine fette minusbewertung! sowas kompliziertes! aber das kabeltauschen an sich war dann ganz einfach. so eine lüsterklemme ist ja nach dem prinzip der (übrigens männlichen) logik erfunden und entworfen worden und wo blau reingeht sollte man nicht braun rausgehen lassen. mein ex-mann hat übrigens nie wieder die maschine zum an-, ab- oder umbau von irgendwelchen teilen bekommen. da war ich konsequent - sicherheitshalber!

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